Der Sleipner-Ritt
3. April 2010 von admin
Sleipner (oder auch Sleipnir, altnordisch: “der Dahingleitende”) ist Odins achtbeiniges Pferd, das Loki als Stute verkleidet – mit dem Riesenhengst Svadilfari gezeugt hatte.
Sleipner ist aber auch ein weiterer Name für die Schacheröffnung 1.Sc3, die wohl auch Linksspringer oder van Geet genannt wird.
Der Haldenser Anker Aasum kümmert sich etwa seit Mitte der 70er Jahre um diese Eröffnung und hat 1988 bei Manfred Mädler ein Buch (auf deutsch) zu 1.Sc3 veröffentlicht. Das Buch ist im Schachhaus-Mädler oder bei Schach Niggemann noch zu haben. Anker ist bekannt dafür, im Schach die Dinge voran zu treiben, auf die andere nicht kommen würden. Zum Beispiel initiierte er ein Fernschachturnier (per Postkarte) im Räuberschach, veranstaltet regelmäßig Endspielturniere, bei denen die Partie mit einem leeren Brett beginnt und die (zugelassenen) Figuren zunächst eingesetzt werden. Und natürlich lässt ihn 1.Sc3 nicht mehr los.

Anker Aasum (links) und Helge Rangøy: Bright White Knight 2009 bzw. 2008
Seit 2008 organisiert Anker in Halden ein Thematurnier zu 1.Sc3 – den Sleipnerritt. Am 16. März 2010 gab es die dritte Ausgabe und ich nahm teil. Vielleicht war es mein erstes Turnier, bei dem ich mich jedes Mal freute, wenn ich Schwarz hatte. Auf der Fahrt nach Halden hatte ich an meiner Zugwahl überlegt und als Antwort auf 1.Sc3 zunächst 1…c6 erwogen, um so etwas wie Caro Kann aufs Brett zu bekommen, mich dann aber doch zu 1…Sf6 durchgerungen mit der Hoffnung auf 2.e4 e5 und damit dem Erreichen bekannter Stellungen. Mit Weiß hatte ich überhaupt keinen Plan.
Am Rande hörte ich, dass Sleipner (8 Beine) für die Eröffnung auch ein passender Name sei, weil es genau 8 vernünftige Erwiderungen für Schwarz gäbe. Vor Turnierbeginn sah ich dann noch eine Theoriediskussion zum Thema Warten. Nach 1.Sc3 Sf6 wurde das Warten mit 2.Sf3 empfohlen, aber nach 2…Sc6 muss Weiß wohl doch im Zentrum spielen. Ich schlug 3.a3 vor, was relativ begeistert aufgenommen wurde, aber nach 3…a6 4.h3 h6 hat Weiß auch nichts besseres als mit dem Spiel zu beginnen.
Der Turniersieger erhält den Titel “Bright White Knight” und der beste Spieler unter 1200 gilt als Sieger der B-Gruppe und darf sich “Brave Busy B” nennen.
Ich spielte recht verhalten und wartete auf Gegners Selbstmord im Endspiel und das funktionierte in den ersten vier Runden ausgezeichnet. Dann musste ich gegen Freund Frode ran und er stellte nach wenigen Zügen bereits einen Bauern ein, sodass mein Konzept nicht so richtig funktionierte und ich nur mit Mühe gewann. In der letzten Runde hate ich Weiß gegen den Meister persönlich. Ich kam gegen den Titelverteidiger stark in Not, gewann aus Versehen eine Figur, die ich aber umgehend zurückgeben musste und landete schließlich mit etwa 2 Minuten auf der Uhr in einem gewonnenen Endspiel. So wurde ich Bright White Knight 2010.
Wenige Tage später gab es dann noch eine freudige Überraschung. Anker hatte uns verpflichtet die erste 10 Züge mitzuschreiben und wertete das Turnier (54 Partien) anschließend aus – auf 7 A4-Seiten. Das Ergebnis spricht nicht so sehr für 1.Sc3: +21 =4 -29.
[...] Blauhut beginnt seinen Bericht über das Bright White Knight 2010 natürlich mit einer historischen Einordnung: Sleipner (oder auch Sleipnir, altnordisch: “der [...]
Hallo.
Nachdem erstmals in diesem Jahr (2010) einer meiner Partien “Sleipner” zugeordnet wurde, wurde ich aufmerksam, dass vielleicht doch die Eröffnung nicht so exotisch ist. Auf Anraten fand ich beim Suchen im Internet diesen Artikel (Mit Idrett und RSS 2.0und Trackback kann ich vorläufig nichts anfangen; also eine Antwort!). Lediglich durch das Zitat der Schachblätter erfuhr ich, dass der Verfasser Blauhut heißen muss. Noch wichtiger für mich aber, worüber ich jahrelang im Unklaren war, dass Anker Aasum noch am Leben ist. Also kann ich. was ich schon lange wollte, mich demnächst bei Anker für die vielen schönen Partien bedanken, die mir sein Buch beschert hat.
Gruß an alle Sleipner-Reiter
Werner Krause
Hallo, Herr Krause,
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