Mont Ventoux

Er parkte am Sohlbergplassen, ignorierte den zwischen die Bäume gegossenen Aussichtspunkt, schnallte sein Fahrrad vom Auto und radelte los. Die ersten Meter auf der Strasse 27 Richtung Süden waren phantastisch. Er fühlte sich wie Tommy Simpson. Schon bald bog er Richtung Breisjøseter ab, und es war nicht der Schotterweg, der ihm zu schaffen machte, sondern die unerwartet heftigen Steigungen. Wieder fühlte er sich wie Tommy Simpson. Dieses Mal wie Tommy Simpson am Mont Ventoux. War heute nicht der 13. Juli? Verbissen kämpfte er sich bergauf, meistens schiebend. Irgendwann gab er auf und liess sich ohne treten zu müssen, zum Auto zurückrollen. Auf dem kurzen Weg zum Atnasjø Café überlegte er, warum der See Atnsee und das Café Atnasee heisst und ob er Rentiereintopf oder lieber Elchhack bestellen solle. Während die erste Frage unbeantwortet blieb, wurde die Fleischfrage noch vor Betreten des Cafés gelöst: Heute kein Mittagstisch wegen Arbeitskräftemangel. So bestellte er Tee und eine Waffel. Waffeln oder Würstchen sind Standard in Norwegen. Irgendetwas davon gibt es immer. Und nur in Moss kam man irgendwann auf eine besondere Idee. Sie wollten gerne beides haben, hatten aber nicht genug Geld und erfanden Wiener Würstchen in der Waffel.
(Atnsjøen, 13.7.2020)

2 Gedanken zu „Mont Ventoux

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