Veel 20 deutsch

Veel 20 2020: Den Unsinn ernst nehmen

Vor etwa vier Jahren erfüllte ich mir meinen lang gehegten Traum einer besonderen, aber eher privaten Publikation. Die Reihe, in der an jedem 29. Februar, also schaltjährlich, ein Buch erscheinen soll, heißt nach unserer Adresse Veel 20. Im ersten Buch (2016) wurde das Wetter mit all seinen Absonderlichkeiten aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln untersucht. In der neuen Ausgabe, die Zeitformen heißen wird, soll es um die Zeit gehen. Ernsthafte Beiträge sind ebenso willkommen wie absurde oder skurrile.

Um die Umwelt nicht durch den unnötigen Druck von Publikationen zu belasten, wird Veel 20 nur in einem Exemplar erscheinen, welches bei uns in der Veelsmyra 20 gelesen werden kann. Alle Autoren bekommen eine PDF-Datei des Buches.
Textbeiträge können auf Norwegisch, Schwedisch oder Deutsch eingereicht werden und sollten möglichst zwischen 10 (zehn) und 10.000 (zehntausend) Zeichen lang sein. Honorar wird nicht gezahlt.

Ich freue mich auf die Zeitformen – kann man Zeit eigentlich formen? – und hoffe, dass Du mir dabei hilfst. Bitte schreibe mir möglichst bald, aber spätestens bis zum 1. Oktober 2019, ob Du mitmachen möchtest (z.B. mit Texten, Fotos, Illustrationen, …).
Deinen Beitrag bräuchte ich bis zum 1. Dezember 2019.

Ausschnitt aus dem Editorial des 2016-Buches Unwetterwarnung

Im Charlatan-Verlag habe ich zusammen mit Rüdiger Fuchs einige merkwürdige Bücher herausgegeben, aber nie eine Unwetterwarnung, und dazu hatte ich schon lange Lust. Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich die Idee, wurde konkreter und nicht zuletzt von den Zeitschriften Der Tapir und Pastor beeinflusst.

Der Pastor wurde von dem russischen Konzeptualisten Vadim Zakharov von 1992-2001 in Köln herausgegeben. Die insgesamt acht Ausgaben sind in Auflagen zwischen 30 und 100 Exemplaren erschienen, wobei die geringe Auflage eine Erinnerung an den Samisdat war.

Daniil Charms notierte Ende der 1930er Jahre in seinen Tagebüchern einen Entwurf für die Zeitschrift Der Tapir. Er vermerkte die Bedingungen für die Mitarbeit – auch Verstorbene durften mitmachen – und die Honorare: 25 Kopeken für ¼ Spalte Prosa und zwei Kopeken pro Gedichtzeile. Der Tapir durfte nicht aus den Räumen seiner Wohnung mitgenommen werden und für das Lesen der Zeitschrift waren fünf Kopeken an Charms zu entrichten.