Archiv der Kategorie: Kultur

Alte Pfade

Diese Wegmarkierung stammt von einem Postweg am
Varangerfjord, der von 1690 bis etwa 1900 hauptsächlich
im Winter benutzt wurde. Der Weg galt als die härteste
Postroute Norwegens. Es dauerte vier bis acht Tage, um
von Vadsø über die Berge nach Vardø zu gehen. Während
im restlichen Norwegen die Postboten alleine unterwegs waren,
ging man diesen Weg immer zu zweit. Das lag sowohl
an den Wetterverhältnissen als auch daran, dass die Frachtrentiere
vor Wölfen geschützt werden mussten.
Auf dem Weg nach Vardø geriet der Postbote Lasse Lassesen
im Januar 1783 in ein Unwetter und erlitt Erfrierungen
im Gesicht und an Händen und Füssen. Von Vardø wurde
er nach Vadsø zurücktransportiert, da sich dort der einzige
Arzt befand. Dieser musste beide Beine des Postboten
amputieren.

Licht aus? Nein, danke!

Die Norweger sind ja nicht gerade für das Stromsparen bekannt. Im Winter wird die Dunkelheit gerne erhellt, auch wenn niemand in der Nähe ist. Vor einigen Jahren zogen die Strompreise drastisch an und die Norweger begannen über das Stromsparen zu reden. Weiter sind sie noch nicht gekommen und bei den derzeitigen Strompreisen redet niemand mehr darüber.
In Norwegen ist es üblich keine festen Strompreise zu haben, sondern einen kleinen Aufschlag zu den Börsenpreisen zu bezahlen. Dazu kommen Gebühren für die Nutzung der Stromleitungen. Die Nutzungsgebühren liegen zur Zeit bei ca. 100 Euro/Jahr zuzüglich 5 Cent/Kilowattstunde. Der Durchschnittspreis für den Strom lag im dritten Quartal bei ca 1,2 Cent/Kilowattstunde. Also etwa 6 – 7 Cent pro Kilowattstunde (+100 Euro/Jahr). Der niedrige Strompreis kam hauptsächlich durch die späte Schneeschmelze und die vielen Niederschläge zustande.

Das Bahnhofscafé

Als ich im vergangenen Jahr ein Schachturnier in Jurmala/Lettland spielte, wollte Kumpel Cliff mich in einer Mittagspause unbedingt in das Bahnhofscafé mitnehmen.  Ein sehr buntes, sehr kleines und sehr russisches Café, welches hauptsächlich durch das Personal und die bereits inventarisierten Gäste interessant ist. Umsatz spielt nur eine untergeordnete Rolle und wird möglichst vermieden.

J6

In diesem Jahr war ich mit dem Norweger Jon Gunnar zum Turnier nach Jurmala gereist. Am Sonntag wollten wir, wie schon am Tag zuvor unser Mittag im Bistro einnehmen, welches sich direkt neben dem Spiellokal befindet. Diese Idee hatten die meisten der anderen 200 Schachspieler auch und so hatte sich bereits ein ziemlich stattliches Wartekollektiv gebildet. Zeitnot befürchtend zogen wir es vor, es in einem der vielen Restaurants in der Fußgängerzone zu versuchen. Und beim Versuchen blieb es dann auch, da es in Jurmala an diesem sonnigen Sonntag ein Überangebot an Promenierenden gab und just alle Hunger hatten. Am Ende der Fußgängerzone entdeckten wir ein unscheinbares Häuschen mit reichlich leeren Tischen, einer herrlich zentralasiatischen Speisekarte und leider viel weniger unscheinbaren Preisen.

Blieb noch das Café im Bahnhof von Majori, einem Stadtteil Jurmalas. Als wir an der Fußgängerampel vor dem Bahnhof warteten, bekam ich eine Nachricht von Cliff, der freudig berichtete, dass er im Bahnhofscafé sei und dort gerade zwei ältere Russinnen mit dem Versuch gescheitert waren, einen Tee zu trinken.
Das klang ziemlich interessant und ich bereite Jon Gunnar, der kein Russisch versteht, auf eine kleine Zeitreise in die Sowjetunion vor.
Kein Russisch zu verstehen kann durchaus auch ein Vorteil sein. Als wir am Freitag mit dem Taxi nach Jaunkemeri fuhren, musste ich den Monolog des Taxifahrers, der es u. a. innerhalb eines Satzes vom Internationalen Frauentag zum Faschismus schaffte, lautlos ertragen. Um nicht loszuprusten biss ich mir in den Arm während ich gleichzeitig versuchte, mit beiden Händen die Tür zuzuhalten, um nicht aus dem überfüllten Auto zu fallen. Jon Gunnar saß derweil ganz ruhig auf dem Beifahrersitz und besah sich die Landschaft.
Wir stürmten das Café also mit einer gewissen Erwartung, deren prompte Erfüllung mir wirklich die Sprache verschlug. Bis auf Cliff war das Café leer. Cliff saß bei Bier und Balsam in der nähe der Tür während am anderen Ende des Cafés eine ältere Dame mit einem Abakus ein wenig Mathematik betrieb und aufpasste, dass der Umsatz nicht überhand nahm. Kaum waren Jon Gunnar und ich im Türrahmen erscheinen, brüllte sie uns an, dass die Toiletten in der Bahnhofshalle seien und wir uns gefälligst rausscheren sollen. Still protestierend blieben wir und ließen uns von Cliff, den die Dame bereits lieb gewonnen hatte, die Geschichte mit dem Tee erzählen. Die Bekanntschaft mit Cliff hatte uns ein Bleiberecht verschafft. Und nicht nur dass, wir durften uns am Tresen sogar etwas zu Essen aussuchen. Die Tresenarbeit wurde von einer recht schweigsamen Angestellten verrichtet, die sich vor jedem Arbeitsschritt aber immer erst ein Nicken von der Abakusdame abholte. Jon Gunnar bestellte eine mit Kohl gefüllte Pirogge und ein Stück Kuchen. Ich bekam neben dem Kuchen warme Würstchen und durfte sogar zwischen Ketchup und Senf wählen. Da ich mein Glück nicht überstrapazieren wollte, bestellte ich nur ein Mineralwasser – statt Mineralwasser und Tee wie ich es sonst oft tue. Cliff quengelte aber, dass ich unbedingt probieren müsse, Tee zu bestellen und so tat ich es. Die Caféherrin hatte mittlerweile den Abakus verlassen und sich hinter den Tresen begehen, um bessere Kontrolle zu haben und versuchte mir statt des Tees einen Kaffee schmackhaft zu machen. Gerade als ich remis bot, also vorsichtig vorschlug Tee und Kaffee einfach zu vergessen, gab  sie überraschend auf und sagte: „Na gut, dann mache ich den Wasserkocher eben an.“ Gleich darauf straffte sie sich wieder und prahlte, was für guten Liptontee sie habe. Aber darum ging es ja schon nicht mehr: Ich hatte gewonnen! Im Siegestaumel gab ich ihr Trinkgeld worauf sie etwas von einer Tochter und Hochzeit murmelte und ich das Weite suchte.
Vor dieser Mittagspause hatte ich bereits acht Partien in dem Turnier gespielt und nicht mehr als ein Remis und einen kampflosen Punkt geholt. Die letzten drei Runden – nach der Mittagspause – gewann ich alle.

 

Haselrutenschutz

Findet man an der Stalltür Hexenbutter, muß mit schlimmen Folgen durch Hexerei gerechnet werden. Dem kann man vorbeugen, wenn man am letzten April eine grüne Haselrute in den Dünger steckt.

Dieser wichtige Hinweis wurde dem Buch 999 Schönhengster Sagen und Märchen entnommen. Auch über Hauskröten weiß das Buch etwas zu berichten.

Hauskröten lassen sich meist im Keller drunten unbeschadet frei betrachten. Sie dürfen aber nicht beseitigt werden, will man nicht ein Unglück gewärtigen.

Holm

Am vergangenen Sonntag haben wir einen Ausflug nach Holm unternommen. Holm heißt die Häuseransammlung rund um die Kirche von Torsnes. Von Veel, so heißt das Wohngebiet in welchem wir wohnen, bis Holm sind es nur 2,5 km, die mit dem Fahrrad schnell absolviert waren. Wir wollten eigentlich zu einer Speiderhytte wandern, sind aber recht bald vom Wege abgekommen und landeten auf einer Lichtung, auf der ein alter aber sehr einladender Bauwagen stand.

Holm1

 

Holm2

 

Holm3

Wir nutzten die Annehmlichkeiten zu einer Pause, ehe wir uns Richtung Thorsøvarden auf den Weg machten. Dort, in der Höhe von 74,5 Metern (ü. d. M. oder NN oder NHN oder was auch immer), hat man einen schönen Blick auf die Nordsee bzw. den Inseln darin.

Holm4

Holm5

Büchercafé

KriminalVor einigen Tagen fanden wir eine zerknitterte schwarz/weiß-Kopie in unserem Briefkasten, die auf ein Büchercafé im Folkets Hus in Torsnes hinwies. Das Haus gehört einer Untergruppe der Arbeiderparti Fredrikstad und dieses Büchercafé soll Geld zum Betreiben des Hauses einbringen. Wie üblich bei Geldbeschaffungsmaßnahmen in Norwegen wurden Waffeln, Kuchen, Getränke und Tombolalose verkauft. Auf den Tischen standen Bananenkisten voller Bücher, die zum Einheitspreis verkauft wurden. Ein Buch für 20 Kronen oder einen beliebig gefüllte Plastiktüte für 50 Kronen.
Im Jahre 2010 hatte ich auf dem Blog versucht, einige Kriminalgeschichten aus dem Jahre 1980 zu übersetzen, bin aber wohl mitten in der ersten hängen geblieben. Heute habe ich mich mit den Chroniken von 1984 – 1986 eingedeckt und hoffe also, spätestens bis 2016 daraus etwas berichtet zu haben.
Neben einigen Kinderbüchern konnten wir unsere zwei Plastiktüten mit einigen Klassikern füllen: Falkberget, Ibsen, Hamsun, Jæger.

Raubkopien

Die Wikinger benutzten für die Herstellung von Schwertern ein Verfahren, welches nur eine zweifelhafte Qualität lieferte. Das rotglühende Blatt wurde zum Abkühlen in kaltes Wasser getaucht. Die Schwerter bekamen dadurch scharfe Kanten, waren aber spröde und vermutlich nicht besonders tauglich. Zur gleichen Zeit wurden in Frankreich bereits Schwerter aus aus Damast unter der Marke Ulfberht vertrieben.
Die Ulfberht-Schwerter waren sehr populär und weit verbreitet. Im Norden waren sie nicht zuletzt auch Statussymbol.
Die Engländer Alan Williams und Tony Fry haben Ulfberht-Schwerter untersucht und fanden heraus, das ein Teil der Schwerter von sehr schlechter Qualität war. Hier hatten Raubkopierer ihre schlechten Schwerter einfach mit dem Ulfberht-Zeichen verziert.

Dazu passt ein Wortspiel welches ich gerade in der Straßenzeitung „gatemagazinet“ las.
– Hva får du hvis du kloner en sjørøver?
– En piratkopi.