Sommerloch & Bibel

Traditionell erhöhen die norwegischen Zeitungen im Sommer den ohnehin schon hohen Anteil an Statistiken in ihren Blättern. Im Demokraten, einer Halbwochenzeitung (erscheint dreimal pro Woche) Fredrikstads gab es etwas zu den Bibellesegewohnheiten der Norweger:
Demnach haben 10 % die Bibel komplett gelesen, 42 % lasen Teile der Bibel und 30 % haben immerhin schon mal hineingeschaut während 17 % überhaupt nicht in der Bibel gelesen haben.
Männer und Frauen lesen gleichviel in der Bibel, Ältere mehr/öfter als Junge und im Süden liest man mehr als im Landesdurchschnitt.

12. Mann

FFK

In Fredrikstad droht zwar nicht die Welt aber der Fußball unterzugehen. War vor der Saison noch der Aufstieg in die 1. Liga prognostiziert worden, wo die Mannschaft nach deren Selbstverständnis auch hingehört, so war nach einem verpufften frühen Trainerwechsel recht bald klar, dass höchstens Mittelmaß drin ist. Vor dem letzten Spieltag ist nun sogar der Abstieg noch rechnerisch möglich und deshalb forderte das Fredrikstad Blad die Einwohner auf, als 12. Mann am letzten Spieltag im Stadion zu erscheinen. Glücklich eine Stadt, die keine größeren Probleme hat, die auf der Titelseite erscheinen sollten.
Sarpsborg hatte nach gutem Start einige Schwierigkeiten in der 1. Liga, konnten den Klassenerhalt am vergangenen Wochenende aber bereits sichern. Als Zugabe gibt es dann noch das Pokalfinale gegen den neuen Meister Rosenborg.

Den Teufel reiten

Der Reitklub Fredrikstad wünscht sich ein neues Reitcenter und die Stadt ist einverstanden. Wenn auch sonst wenig Geld vorhanden ist, sollen die veranschlagten 40 Millionen Kronen kein Problem sein. Der Ost ist allerdings ein Problem. Die regierende Arbeiderparti möchte das Center gern auf dem der Stadt gehörenden Grundstück Thorslund bauen. Thorslund liegt direkt vor den Toren Stadt wird aber heute landwirtschaftlich genutzt und soll ausgezeichnete Erde haben.
In Vestby stand man vor dem gleichen Problem, als IKEA dort bauen wollte und da wurde kurzerhand die Erde auf ein anderes Grundstück verbracht. Kostenpunkt: 0,86 Mio Kronen pro 1000 Quadratmeter.
Da dies aus Kostengründen in Fredrikstad nicht aktuell ist, hat der Reitklub nun seine Pläne geändert und ein anderes Grundstück vorgeschlagen. Zwar etwas weiter weg von der Stadt, dafür wird die Landwirtschaft kaum beeinflusst und das Senter würde in schöner Umgebung direkt am Meer liegen.
Seit 18 Jahren wird mit unterschiedlicher Intensität über ein neues Reitcenter verhandelt und der Klub möchte nun nicht länger warten und schlug auch deshalb ein anderes Grundstück vor, um nicht noch einige Jahre mit dem Kampf um Thorslund zu verlieren. Nun mussten sie feststellen, dass die ihr größter Befürworter – die Arbeiderparti – das Center unbedingt auf Thorslund bauen möchte.
Für uns ist das ganz beruigend. Da wir nicht weit weg von Thorslund wohnen, bleiben wir wohl noch einige Jahre von reger Bautätigkeit verschont.

Licht aus? Nein, danke!

Die Norweger sind ja nicht gerade für das Stromsparen bekannt. Im Winter wird die Dunkelheit gerne erhellt, auch wenn niemand in der Nähe ist. Vor einigen Jahren zogen die Strompreise drastisch an und die Norweger begannen über das Stromsparen zu reden. Weiter sind sie noch nicht gekommen und bei den derzeitigen Strompreisen redet niemand mehr darüber.
In Norwegen ist es üblich keine festen Strompreise zu haben, sondern einen kleinen Aufschlag zu den Börsenpreisen zu bezahlen. Dazu kommen Gebühren für die Nutzung der Stromleitungen. Die Nutzungsgebühren liegen zur Zeit bei ca. 100 Euro/Jahr zuzüglich 5 Cent/Kilowattstunde. Der Durchschnittspreis für den Strom lag im dritten Quartal bei ca 1,2 Cent/Kilowattstunde. Also etwa 6 – 7 Cent pro Kilowattstunde (+100 Euro/Jahr). Der niedrige Strompreis kam hauptsächlich durch die späte Schneeschmelze und die vielen Niederschläge zustande.

Zeitdruck

Magnus Carlsen, der gerade an der Weltmeisterschaft im Schnellschach teilnimmt, ist nicht der einzige Norweger, der Zeitdruck während der verspürt. Besonders im Norden Europas scheint man Zeitdruck im Job ausgesetzt zu sein. Jedenfalls kam eine Untersuchung von fast 50.000 Arbeitsplätzen in 37 Ländern Europas zu diesem Ergebnis.
Norwegen landete zusammen mit Island auf dem vierten Platz hinter Dänemark, Finnland und Schweden.

Stadt- & Dorfgespräche

Als ich gestern nach der Arbeit die Stadt verließ, entkam ich gerade noch dem Verkehrschaos, welches durch eine Bombendrohung gegen ein Hotel in der Innenstadt ausgelöst wurde. Die Sprengstoffexperten aus Oslo gaben einige Stunden später Entwarnung: Die Drohung war eine leere gewesen. Meine Arbeitskollegen haben den Bombenalarm routiniert zur Kenntnis genommen, jedenfalls war heute keine Thema.
Das liegt vielleicht daran, dass diese Drohungen in Fredrikstad recht regelmäßig stattfinden.
2009: Ein Massaker im Glemmen Gymnasium wird angekündigt
2011: Wegen einer Bombendrohung müssen 220 Menschen evakuiert werden
2012: Bombendrohung gegen den Hvalertunnel
2013: Wegen einer Bombendrohung werden der Bahnhof, zwei Brücken und der Hvalertunnel gesperrt.
Das Fredrikstad Blad titelt heute, dass die Stadt von einem Bombenalarm gelähmt wurde und das Blatt selber ist auch betroffen. Auf Titelseite prangt das Tagesdatum: Torsdag 7. oktober 2015.

Als ich vorhin noch schnell im Dorfkonsum war, hörte ich wieder der Verkäufer einen Kundern mit den Worten verabschiedete, dass er nicht glaube, dass Klopp dieses System lieben wird. Das ist aber wieder ein anderes Thema.

Herbstferien

Schneesweg

Mit einem Foto von unseren Sommerferien verabschieden wir uns bis nach den Herbstferien, die Anfang Oktober vorüber sind.

Bei den Kommunalwahlen in Norwegen haben die Regierungsparteien verloren, während deren großer Gegner, die Arbeiderparti gut zulegen konnte. Erfreulich auch das Ergebnis der grünen Mdg, die es aus dem Niemandsland auf 4 – 5 % gebracht hat. In Fredrikstad hat die Arbeiderparti knapp ein Prozent verloren und so fehlt mit 48 % nur ein Sitz an der absoluten Mehrheit.