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Kvitskruiprestinn

Er erreichte den Gipfel nicht, weil die Ebene endlos war, sondern weil ihm 200 Meter (fast) senkrecht nach oben einfach zu steil waren. Priester mit verschiedenen Namen geisterten in seinem Kopf herum.
In den Seitentälern des nördlichen Gudbrandsdalen finden sich abgelagerte Moränen, die vor sich hin erodieren. An Orten mit wenig Regen wird die weiße Masse rund um größere Steine weggespült, während sich unter den Steinen Säulen bilden. Man geht davon aus, dass die größten Säulen zwischen 100 und 200 Jahre alt sind, und dass sie verschwinden werden. Es bilden sich zwar neue «Priester», aber die werden nicht mehr die Größe der jetzigen erreichen. Was von den Säulen bleiben wird, ist der Streit über deren Namen.
Langsam kam er zu sich und versuchte die verblassenden Wörter in seinem Kopf zu sortieren. Nicht ganz einfach, da alle für seine Zunge unaussprechlich waren: Kvitskriuprestane, Kvitskriuprestene, Kvitskriuprestein, Kvitskriuprestin und Kvitskriuprestinn. Ganz hinten verschwand gerade noch ein Kvitskriduprestin. Er warf noch einen Blick auf die Säulen und verschwand ebenfalls.
(Uldalen, 17.6.2020)