Archiv der Kategorie: Livet

Sommerferien

Norwegen ist bereits wieder im Sommerferienmodus (wie üblich nach St.Hans). Die Behörden stehen still, die Flüge nach Süden sind ausgebucht und der Notisblokk stellt sein (ohnehin eher karges) Erscheinen für die nächsten zwei Monate ein. Anfang September geht es weiter.

Mit Kanonen auf Tauben und Gänse

Im Gebiet Moss-Rygge-Råde setzen die Bauern nicht länger auf Vogelscheuchen um sich eine gute Ernte zu sichern, sondern auf Gaskanonen. Die knallen nicht nur schön laut – zur Freude der Anwohner auch noch spät am Abend – sondern verscheuchen die Vögel auch durch eine Druckwelle. Die Kanon sollen gut dosiert eingesetzt werden, damit die Vögel sich nicht an den Krach gewöhnen. Sensoren an den Kanonen sollen verhindern, dass diese auch nachts ausgelöst werden. Allerdings wird es hier zur Zeit kaum dunkel.

Miteinander sprechen oder kommunizieren?

Der Gebrauch von Handys in der Jugendschule (8. bis 10. Klasse) wird von der Fredrikstad Kommune reglementiert. Zur Zeit lautet die Regel, dass die Benutzung der Telefone während des Unterrichts verboten ist. Vermutlich wird diese Regel bald auf alle digitale Hilfsmittel erweitert, die dann auch im Unterricht benutzt werden dürfen aber nur auf Geheiß des Lehrers.
Wenn im nächsten Jahr die Borge Schule wieder eröffnet wird, soll es dort ein Totalverbot für Telefone geben. Die Geräte werden morgens eingesammelt und nach Unterrichtsschluss wieder ausgeteilt. Die Rektorin möchte damit erreichen, dass die Schüler wieder miteinander sprechen und in den Pausen nicht nur in die Tasten der Telefone hauen. Womit es für die Lehrer wieder leichter wird, einsame Schüler zu erkennen. Ohne Telefone sind die Jugendlichen entspannter in der Schule, da niemand Angst haben muss fotografiert zu werden. Erstaunlicherweise sind auch viele Schüler mit diesem Totalverbot einverstanden, da sie Gespräche in den Pausen vermissen.
Der Rektor der Gressvik ungdomsskole hält dagegen nichts vom Totalverbot und meint, dass wäre als würde man rückwärts in die Zukunft gehen. Er hält sich an die Regel der Kommune – also keine Telefone im Unterricht – aber sonst steht die Nutzung den Schülern frei.
In anderen Schule in Fredrikstad sieht es so aus:
Begby: Nutzung nach Absprache mit einem Lehrer
Cicignon: Nutzung ist nicht erlaubt, Ausnahmen können zugelassen werden
Gudeberg: Kein Verbot. Telefone müssen während des Unterrichts ausgeschaltet sein und dürfen nicht sichtbar herumliegen.
Haugeåsen: Die Telefone werden vor den Unterrichtsstunden in einer Kiste eingesammelt. Freie Nutzung in den Pausen.
Kvernhuset: Telefone/Kamera dürfen nicht in der Sporthalle benutzt werden. Die Schüler haben selber entschieden, dass in der Kantine und in der großen Pause keine Telefone benutzt werden.
Vestbygda: Die Benutzung von Telefonen im Schulgebäude ist nicht gestattet.

Listen

In der Zeitschrift Wostok 4/2014 schrieb Dr. Bolot Otunbajew, Botschafter der Republik Kyrgysstan in Deutschland,  einen Artikel über die I. Internationalen Nomadenspiele, die in Kirgisien stattfanden. Die Spiele fanden bei Tscholpon-Ata statt, einem Städtchen welches ich schon mehrere Male besuchte. Ich las diesen doppelseitigen Artikel um mehr über die Sportarten zu erfahren, die während der Spiele veranstaltet wurde. Leider erfuhr ich wenig darüber aber dafür erfreute mich der Autor mit reichlich Listen, bei denen ich sogar alte Bekannte traf. Es folgen einige Zitate.

„Grußbotschaften aus Anlaß der I. Internationalen Spiele der Nomadenvölker sandten Präsident Nursultan Nasarbajew aus Kasachstan, Präsident Recep Tayyip Erdogan aus der Türkei, der Präsident der russischen Teilrepublik Tatarstan Rustam Minnichanow, der Vizepräsident der Islamischen Republik Afghanistan Mohammed Chalili, der Vertreter des Entwicklungsprogrammes der Vereinten Nationen in Kyrgysstan Alexander Awanessow, der Präsident des Olympischen Rates Asiens Scheich Achmad Al-Fachad Al-Sabah, der Präsident der Föderation der Sportkampfarten der Russischen Föderation Michail Mamiaschwili, der Präsident der Internationalen Schachföderation Kirsan Iljumschinow und der Präsident der FIFA Josef Blatter.“

„Reportagen über die Spiele gab es in der „Washington Post“, bei CNN, im „Mirror“, bei CBS News, bei NBS News, bei MSN News, in „Canada“, im „The Guardian“, im „Wall Street Journal“, in der „Los Angeles Times“, der „La Republica“, der „Postmedia“ sowie bei „Regnum“, zudem beim russischen Sender Rossija, bei Russia Today, Bei TV News, Ria Nowosti, RosBalt, atc, den türkischen Fernsehsendern Travis und Anadolu Kazakh sowie bei „Kazinform“, Mongolian UBS, Al-Jazeera und vielen anderen.“

„Die Wettbewerbe wurden in insgesamt zehn Sportarten ausgetragen: Alysch (Gürtelringen), Alaman Baig (Pferderennen über eine lange Distanz und schwieriges Gelände), Kok Boru (Ziegenpolo), Schorgo Salysch (Pferderennen im Paßgang), Kasach Kurosch (Kasachisches Ringen), Kunan Tschabysch (Rennen dreijähriger Pferde), Kyrgyz Kurosch (Kirgisisches Ringen), Ordo (nationales kirgisisches Spiel mit Knochen), Toguz Korgool (ein strategisches Brettspiel) und Er-Enish (Ringen auf dem Rücken der Pferde).“

„Nach den Ergebnissen kam Kyrgysstan auf Platz 1 im Medaillenspiegel mit 55 Medaillen, davon 16 Gold-, 20 Silber- und 19 Bronzemedaillen. Auf Platz 2 kam Kasachstan mit 28 Medaillen, davon zehn Gold-, neun Silber- und neun Bronzemedaillen. Platz 3 besetzte Turkmenistan mit drei Gold- und drei Bronzemedaillen, und Platz 4 belegte Tadschikistan mit einer Gold- und drei Bronzemedaillen. Es folgten die Mongolei auf Platz 5 und Russland auf Platz 6.“

„Mehr als 7 000 Zuschauer verfolgten die Eröffnungszeremonie, darunter Vertreter des diplomatischen Corps und von Sportdelegationen aus der Türkei, Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan, Afghanistan, Tadschikistan, Turkmenistan, der Mongolei sowie den russischen Teilrepubliken Altai, Sacha Jakutien, Burjatien und Baschkortostan.“

Womit das Wichtigste wohl gesagt wäre.

 

Anwohnerparkrecht

In Fredrikstad besitzen etwa 1100 Fahrzeughalter ein Anwohnerparkrecht. Bisher klemmten Sie dazu ihre Ausweise irgendwo hinter die Windschutzscheibe, was besonders im Winter für die Kontrolleure recht anstrengend war, da sie viel Zeit mit dem Freikratzen von Scheiben vertrödelten. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Stadt hat als erste in Norwegen einen Pkw mit Technik (Kamera, Computer) für 200.000 Kronen ausgerüstet. Die Kamera scannt die Nummernschilder der parkenden Autos und der im warmen sitzende Kontrolleur bekommt auf einem Flachbildschirm angezeigt, ob das Auto dort parken darf.
Dumm nur, wenn das Nummernschild zugeschneit ist.

Teure Antworten

Im vergangenen Jahr machte nach 2005 wieder The Tall Ship Races Station in Fredrikstad. Als Hanse Sail geschädigter Rostocker freue ich mich irgendwo im Wald vor den Toren der Stadt zu wohnen und nicht einen Mast – und besonders nicht die Menschenmenge – zu Gesicht bekommen zu haben.
In Fredrikstad versuchte man nun herauszufinden, wie zufrieden die ansässigen Firmen mit dieser Veranstaltung waren. Die Projektleiterin beauftragte dazu die Firma Visit Fredrikstad & Hvaler, in der ihr Mann im Vorstand sitzt, mit der Durchführung einer Umfrage. Für schlappe 120.000 Kronen sendete die Firma Fragebögen an 166 Firmen und erhielt tatsächlich elf Antworten. Acht von den elf antwortenden Firmen waren Sponsoren der Veranstaltung.

Im Abschlussbericht, der mit externer Hilfe für 60.000 Kronen angefertigt wurde, wird bemerkt, dass die Umfrage keine verwertbaren Ergebnisse erbrachte, es aber die Zufriedenen sind, die auf Umfragen nicht antworten. Nachdem das geklärt ist, wurde der Bericht dann kritisch und zwar gegenüber der Berichterstattung des Fredrikstad Blad. Die Zeitung hatte sich tatsächlich erdreistet die Besucherzahlen nachzurechnen und nach unten zu korrigieren. Und bereits im Herbst 2013 hatte das Blatt davor gewarnt, dass sich kaum regionale Sponsoren finden werden. Während die Zeitung heute noch stolz darauf ist, dass ihre  Vorhersage tatsächlich eintraf, meinen die Veranstalter, dass es kaum Sponsoren gab weil das Fredrikstad Blad nur negativ berichtete.

Der Abschlussbericht wurde einstimmig von der Bürgerschaft angenommen und so wird es wohl bald wieder Bemühungen geben, The Tall Ship Races nach Fredrikstad zu holen.

Vor lauter Bäumen

Manchmal kann man zwar den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, aber die Bäume kann man zählen. Das Fredrikstad Blad, welches wie alle norwegischen Zeitungen Statistiken liebt berichtet, dass im vergangenen Jahr in Norwegen für ca. 150 Mio. Kronen aufgeforstet wurde. Den größten Anteil daran haben die Provinzen Hedmark und Oppland mit 7,8 bzw. 5,1 Mio. neuen Bäumen. Verglichen mit diesen Zahlen wurden in Østfold zwar nur bescheidene 1,34 Mio. Bäume gepflanzt, aber das bedeutet immerhin eine Steigerung um 42 % gegenüber dem Vorjahr.

Weiße Ostern?!

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Nach einem (fast) schneefreien Winter und bereits einigen Tagen Frühling, gab es beim morgendlichen Blick aus dem Fenster heute eine ziemlich weiße Überraschung.

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Das dazugehörige Verkehrschaos war auch recht beachtlich. Insgesamt stand ich heute über zwei Stunden an Bushaltestellen und benötigte für meinen Arbeitsweg (hin und zurück) über 4 statt 1,5 Stunden. Aber ich bin angekommen! Wenn auch die recht vorbildliche Straßenräumung zum Verschwinden der Fußgängerwege führte.Ostern_W3

Das Bahnhofscafé

Als ich im vergangenen Jahr ein Schachturnier in Jurmala/Lettland spielte, wollte Kumpel Cliff mich in einer Mittagspause unbedingt in das Bahnhofscafé mitnehmen.  Ein sehr buntes, sehr kleines und sehr russisches Café, welches hauptsächlich durch das Personal und die bereits inventarisierten Gäste interessant ist. Umsatz spielt nur eine untergeordnete Rolle und wird möglichst vermieden.

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In diesem Jahr war ich mit dem Norweger Jon Gunnar zum Turnier nach Jurmala gereist. Am Sonntag wollten wir, wie schon am Tag zuvor unser Mittag im Bistro einnehmen, welches sich direkt neben dem Spiellokal befindet. Diese Idee hatten die meisten der anderen 200 Schachspieler auch und so hatte sich bereits ein ziemlich stattliches Wartekollektiv gebildet. Zeitnot befürchtend zogen wir es vor, es in einem der vielen Restaurants in der Fußgängerzone zu versuchen. Und beim Versuchen blieb es dann auch, da es in Jurmala an diesem sonnigen Sonntag ein Überangebot an Promenierenden gab und just alle Hunger hatten. Am Ende der Fußgängerzone entdeckten wir ein unscheinbares Häuschen mit reichlich leeren Tischen, einer herrlich zentralasiatischen Speisekarte und leider viel weniger unscheinbaren Preisen.

Blieb noch das Café im Bahnhof von Majori, einem Stadtteil Jurmalas. Als wir an der Fußgängerampel vor dem Bahnhof warteten, bekam ich eine Nachricht von Cliff, der freudig berichtete, dass er im Bahnhofscafé sei und dort gerade zwei ältere Russinnen mit dem Versuch gescheitert waren, einen Tee zu trinken.
Das klang ziemlich interessant und ich bereite Jon Gunnar, der kein Russisch versteht, auf eine kleine Zeitreise in die Sowjetunion vor.
Kein Russisch zu verstehen kann durchaus auch ein Vorteil sein. Als wir am Freitag mit dem Taxi nach Jaunkemeri fuhren, musste ich den Monolog des Taxifahrers, der es u. a. innerhalb eines Satzes vom Internationalen Frauentag zum Faschismus schaffte, lautlos ertragen. Um nicht loszuprusten biss ich mir in den Arm während ich gleichzeitig versuchte, mit beiden Händen die Tür zuzuhalten, um nicht aus dem überfüllten Auto zu fallen. Jon Gunnar saß derweil ganz ruhig auf dem Beifahrersitz und besah sich die Landschaft.
Wir stürmten das Café also mit einer gewissen Erwartung, deren prompte Erfüllung mir wirklich die Sprache verschlug. Bis auf Cliff war das Café leer. Cliff saß bei Bier und Balsam in der nähe der Tür während am anderen Ende des Cafés eine ältere Dame mit einem Abakus ein wenig Mathematik betrieb und aufpasste, dass der Umsatz nicht überhand nahm. Kaum waren Jon Gunnar und ich im Türrahmen erscheinen, brüllte sie uns an, dass die Toiletten in der Bahnhofshalle seien und wir uns gefälligst rausscheren sollen. Still protestierend blieben wir und ließen uns von Cliff, den die Dame bereits lieb gewonnen hatte, die Geschichte mit dem Tee erzählen. Die Bekanntschaft mit Cliff hatte uns ein Bleiberecht verschafft. Und nicht nur dass, wir durften uns am Tresen sogar etwas zu Essen aussuchen. Die Tresenarbeit wurde von einer recht schweigsamen Angestellten verrichtet, die sich vor jedem Arbeitsschritt aber immer erst ein Nicken von der Abakusdame abholte. Jon Gunnar bestellte eine mit Kohl gefüllte Pirogge und ein Stück Kuchen. Ich bekam neben dem Kuchen warme Würstchen und durfte sogar zwischen Ketchup und Senf wählen. Da ich mein Glück nicht überstrapazieren wollte, bestellte ich nur ein Mineralwasser – statt Mineralwasser und Tee wie ich es sonst oft tue. Cliff quengelte aber, dass ich unbedingt probieren müsse, Tee zu bestellen und so tat ich es. Die Caféherrin hatte mittlerweile den Abakus verlassen und sich hinter den Tresen begehen, um bessere Kontrolle zu haben und versuchte mir statt des Tees einen Kaffee schmackhaft zu machen. Gerade als ich remis bot, also vorsichtig vorschlug Tee und Kaffee einfach zu vergessen, gab  sie überraschend auf und sagte: „Na gut, dann mache ich den Wasserkocher eben an.“ Gleich darauf straffte sie sich wieder und prahlte, was für guten Liptontee sie habe. Aber darum ging es ja schon nicht mehr: Ich hatte gewonnen! Im Siegestaumel gab ich ihr Trinkgeld worauf sie etwas von einer Tochter und Hochzeit murmelte und ich das Weite suchte.
Vor dieser Mittagspause hatte ich bereits acht Partien in dem Turnier gespielt und nicht mehr als ein Remis und einen kampflosen Punkt geholt. Die letzten drei Runden – nach der Mittagspause – gewann ich alle.

 

Test

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