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Kirkemøtet

Das Kirkemøtet ist das höchste Organ der norwegischen Kirche (Dnk) und tritt gewöhnlich einmal im Jahr zusammen. Es ist vergleichbar mit der Synode der Evangelischen Kirchen Deutschlands. Alle Mitglieder der Räte in den Bistümern (bispedømmeråd) und der Leiter des Samischen Kirchenrates sind Mitglieder des Kirkenmøtets. In diesem Jahr sorgt besonders ein Thema für Spannungen und Aufmerksamkeit: Sollen kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Ehen eingeführt werden. Zwischen den Antworten ja und nein, gibt es noch einen Kompromissvorschlag: Keine Trauung, aber eine Fürbitteliturgie.
Svein Arne Lindøs, Leiter des Kirchenrates (Kirkerådet), rief gleich in seiner Eröffnungsrede dazu auf, keine Trauungen zuzulassen und handelte sich damit Kritik ein, die hauptsächlich die Frage stellte, wie er als Leiter des Kirchenrates die Kirche vereinen kann, wenn er sich so deutlich gegen einen Teil der Mitglieder ausspricht.
Er wurde als Leiter wiedergewählt aber nur mit 76 der 116 Stimmen.
Wie wichtig das Thema ist, zeigt auch die Beteiligung an der Debatte gestern Nacht. Da sich 79 der 116 Mitglieder zu Wort meldeten, wurde bis weit nach Mitternacht diskutiert.

NATO-Jens

Als der ehemalige dänische Staatschef Anders Fogh Rasmussen Nato-Chef wurde, begannen die Dänen zu forschen, wie das denn passieren konnte. Sie fanden heraus, dass Dänemarks offensive Rolle in den Kriegen im Irak und in Afghanistan dazu beigetragen haben. Möglicherweise ist der Chefposten keine direkte Belohnung für Fogh Rasmussen, aber ohne sein Einsatz für bzw. in den Kriegen hätte er die Stelle nicht bekommen.
Der ruhige Jens, der so besonnen auf das Massaker am 22. Juli reagierte und dafür bekannt ist, bei kleinsten Entscheidungen, Notizen hin- und hergehen zu lassen und alles genau zu besprechen, hat sich den Posten durch eine recht merkwürdige Aktion gesichert (bzw. sich dafür qualifiziert).
Als Gaddafis Truppen vor Bengasi standen, fand ein Sondergipfel der UNO in Paris statt und fast gleichzeitig wurde von der UNO die Durchsetzung einer Flugverbotszone gebilligt. Das sorgte für einen Druck auf die Teilnehmer des Gipfels, besonders die Chefs der Natostaaten. Frau Merkel lehnte eine Beteiligung ab, womit sie für einen Natoposten wohl nicht mehr infrage kommt. Jens reiste dagegen mit der Zusage ab, dass Norwegen sich mit 6 F16 Kampfflugzeugen beteiligt. Das hatte in der Nato niemand von dem recht kleinen Land erwartet und auch Regierungsmitglieder und Opposition in Norwegen waren ziemlich überrascht als Jens Stoltenberg sich per Handy die Zusage für den Einsatz abholte. Die Wissenschaftsministerin Kristin Halvorsen erwischte Jens als sie sich auf ihrer Hütte erholte an einem Samstag Vormittag. Vielleicht lag sie ja gerade im Liegestuhl als ihr kaum etwas anderes übrig blieb, als norwegische Soldaten in den Krieg zu schicken.
Für Stoltenberg gilt wohl das Gleiche wie für Fogh Rasmussen. Ohne Kriegsenthusiasmus keine Posten.
Die jetzige Regierung Norwegens ist jubelt sehr über Jens neuen Job und das, obwohl sie ihm immer Führungsschwäche vorgeworfen haben. Aber vielleicht braucht er das ja bei der NATO gar nicht. Möglicherweise sind sie auch nur froh, dass er weg ist und als Spitzenkandidat für die Ap bei der nächsten Wahl im Jahre 2017 nicht mehr in Frage kommt. Als neuer Chef der Ap wird Jonas Gahr Støre gehandelt, aber es gibt natürlich auch noch andere die gerne möchten.

Peanuts

Statoil Chef Helge Lund ist gerade wegen seiner Lohnpolitik in die Kritik geraten. Dabei steigt sein Lohn geringer als der der Angestellten, sagt Statoil. (Die Firma gehört zu 67 % dem norwegischen Staat.)
Es scheint alles eine Frage der Sichtweise oder vielleicht der Mathematik zu sein. Laut Statoil ist das Grund(!)einkommen des Chefs in den letzten fünf Jahren um 2,75 % pro Jahr gestiegen während das der Angestellten um 3,5 % pro Jahr stieg. Während für die meisten Angestellten gilt, dass Einkommen = Grundeinkommen ist, bekommt Lund noch Boni. Wenn man für Lund annimmt dass Einkommen = Grundeinkommen + Boni, dann ist sein Einkommen in den vergangenen drei Jahren um jährlich 25 % gestiegen, aber so rechnet Statoil nicht. Im vergangen Jahr summierte sich Kunds Einkommen auf karge 13,8 Millionen Kronen.
Der Chef hatte sich sein Grundeinkommen um geringfügige 500.000 Kronen erhöht. Die Finanzierung erwies sich zunächst als etwas schwierig, da die (zukünftigen) Renten der Belegschaft bereits im vergangenen Jahr gekürzt wurden. Aber der Lund fand eine ganz überraschende Lösung. Neben einer Reihe von Stellenstreichungen, wurden auf den Ölplattformen die kostenlosen Erdnüsse gestrichen.

Jurmala

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Jurmala war einst der Strand von Riga und ist seit 1959 eine eigenständige Stadt. Der Strand und auch die Straßen, die zum Strand führten, erinnerten mich an Warnemünde. Aber Jurmala ist viel größer und hat über 50.000 Einwohner.

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Überrascht war ich wie viel Russisch man auf den Straßen hören konnte und dass es überall möglich war, sich auf Russisch zu verständigen. In Jurmala traf ich mich mit zwei Schachspielern aus Erfurt und Cliff, eine von ihnen, nannte die Gegend Osteuropa light: Russischer Charme gepaart mit lettischer Zivilisation. Eine durchaus erfreuliche Mischung.

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Auf der Rückreise fuhr ich zunächst mit der Elektritschka von Jurmala nach Riga. Eine wirklich russische Fahrt inkl. des Schaffners, der mir gegenüber saß und für zwei Waggons zuständig war, die er nach jedem der häufigen Halte kontrollierte.
Jurmala wurde im Jahre 1783 russisch und gehörte später zur Sowjetunion. Das ist zur Zeit keine günstige Ausgangslage und die vielen Russen in der Stadt machen es nicht besser. Bei dem Anblick einiger Häuser denkt man unweigerlich, dass Putin schon da ist.

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Die Norweger waren auf jeden Fall schon vor mir da.

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Eigentlich wollte ich noch etwas über das Schachturnier schreiben, aber das kommt vielleicht später noch. Das Turnier wurde im Städtischen Museum gespielt und gleich nebenan war eine Stolowaja mit sehr gutem Essen. Wie überhaupt das Essen überall ausgezeichnet war. Selbst die Bahnhofsmitropa war brauchbar.

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An einem Abend waren wir in einem kaukasischen Restaurant und bekamen als Vorspeise reichlich Knoblauch und dazu Soljanka aus ziemlich großen Schalen, sodass wir eigentlich kein Hauptgericht mehr benötigten.

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Christian war bei einem früheren Versuch eine Bulette zu bestellen gescheitert, da er nicht auf die Idee kam, eine russisches Kotelett zu bestellen. Jetzt war er sich ziemlich sich: Klopsis musste einfach eine Bulette sein. Wieder lag er daneben und bekam ein Fleischstück von unglaublicher Größe. Ich bekam gleich zwei Filetstücke, die zum Glück etwas kleiner waren. Als Entschuldigung hatten sie mir die gesamten Gemüsevoräte (roh) des Restaurants auf den Teller gekippt. Cliff hatte чалахадж bestellt. Eigentlich ein Lammgericht, welches es hier in der Schweinausführung gab. Beim Beladen des Tellers muss der Koch sich bei den Fleischstücken ordentlich verzählt haben. Cliff sieht schon recht skeptisch drein und musste später aufgeben.

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Mumin!

Mumin

Gestern war auf der Titelseite des Klassenkampfs ein Hinweis auf eine Debatte über die Mumins zu lesen. Die Debatte war dann zum Glück nur ein recht kleiner Artikel, der es aber in sich hatte.

Das erste Mal hörte ich den Begriff Mumi Troll im Rahmen des KINOproby-Projektes in Russland. Ein Band aus Wladiwostok mit dem Namen Mumi Troll spielt einen Kino Song (hier anhören). Über den Namen habe ich damals nicht weiter nachgedacht.
Als Anna geboren wurde, bekamen wir zwei Handtücher mit Mumin Motiven geschenkt und so langsam lernten wir durch Tove Janssons Bücher das ganze Tal kennen. Dirk Bachs Vorlesekunst sorgte dafür, dass in Annas Deutschwortschatz das Wort Satansbraten fest verankert ist.
Der Artikel im Klassekampen beschreibt kurz den Erfolg der Muminbücher und das am 6. Januar 1958 Aftenposten das erste Mal Mumitrollet auf Norwegisch abdruckte und damals noch völlig richtig mit einem m. Dann werden Beispiele für den Namen in einigen Sprachen aufgeführt und in allen gibt es nur ein m und davor einen langen Vokal. Irgendwann wurden in Norwegen zwei m daraus.
Stig Andersen schreibt dazu, dass irgendwann der Name des bescheidenen und friedlichen Mumitrolls zu dem fröhlichen und einfachen Mummitroll wurde. Er hält das für eine grobe Verkindlichung (grov infantilisering) und fragt – warum?
Das frage ich mich auch. Warum diese Aufregung um ein m und warum landet so etwas auf der Titelseite einer der wichtigsten Zeitungen Norwegens.
Übrigens spricht man in Norwegen den Namen Mummi (-trollet) mit langem Vokal (üü) und einem m.

Listhaugs Liste

Hier wurde bereits über das Interesse an der Kundenliste Listhaugs berichtet, als sie nur in einem PR-Büro Lobbyarbeit machte und noch nicht Landwirtschaftsministerin war. Die PR-Büros haben erfolgreich auf eine geheime Kundenliste bestanden und um Kritiker zu beruhigen, wurde die Liste ihre öffentlichen Kunden zugänglich gemacht. Dort konnte man dann die Namen eine Reihe Kommunen lesen und das war nicht besonders interessant. In Deutschland wird das Problem der Verflechtung Lobbyismus und Politik gerade am Beispiel Pofalla diskutiert. In Norwegen gibt es vereinzelt Stimmen die etwas gegen diese Verflechtung tun wollen aber im Prinzip ist Ruhe eingekehrt.
In Norwegen gibt es ein Gesetz, dass das Einholen einer Genehmigung beim kauf von festen Eigentum vorsieht. Im Gesetz sind auch Ausnahmen vorgesehen, die den größeren Teil der Grundstückskäufe ausmachen. Für die meisten Landwirtschaftsflächen gilt aber, dass die Genehmigung eingeholt werden muss. Die Kritiker des Gesetzes meinen, dass es die persönliche Freiheit einschränkt, für mehr Bürokratie und höhere Kosten sorgt.
Landwirtschaftsministerin Sylvi Listaug gehört als FRP Mitglied zu den Gegnern jeglicher Regulierung und will nun das Gesetz ändern. Bevor die Änderungen im Storting behandelt werden, hat sie bereits den Kommunen mitgeteilt, dass der Preis des Grundstückes kein Kriterium zur Vergabe der Genehmigung mehr ist.
Es scheint als könnten die Ministerinnen der FRP etwas Nachhilfe in Demokratie gebrauchen – siehe auch den Eintrag Schwarze Liste.

Schwarze Liste

Der norwegische Pensionsfond – besser als Ölfond bekannt – ist der größte Investitionsfond der Welt. 40 % des Fonds werden in Anleihen, zumeist Staatsanleihen investiert. Für den Fond gibt es eine schwarze Liste, die Länder enthält von denen keine Anleihen gekauft werden dürfen. Bis vor wenigen Tagen hatte es nur Myanmar auf die Liste geschafft. Selbst Iran unter Ahmadinejad war es nicht gelungen. Vor einigen Tagen hat Finanzministerin Siv Jensen (FRP) die Liste nun erneuert. Myanmar verschwand und dafür sind nun Syrien, Nordkorea und eben der Iran vertreten. Während sich EU und USA dem Iran annähern und die Sanktionen lockern, geht Norwegen den entgegengesetzten Weg und dürfte damit wohl nur Israel und den republikanischen Teil des US Kongresses erfreuen. Möglicherweise ist das nicht mehr als der Stinkefinger für die Vorgängerregierung, die mehr auf Seiten Palästinas stand.
Da der Iran gar keine Staatsanleihen herausgibt, hat der Eintrag auf der Liste ohnehin keine praktische Bedeutung und ist nur als ein politisches Signal zu verstehen und gerade dies dürfte eigentlich nicht sein. Das Storting hat einstimmig beschlossen, dass der Ölfond nicht zu politischen Zwecken benutzt werden darf.
Das Finanzministerium war bisher  nicht für Kommentare, Begründungen oder Interviews zu erreichen. Aber immerhin hat sich Kristian Norheim geäußert. Er ist der außenpolitische Sprecher der FRP und bekräftigte, dass der Listeneintrag reine Symbolpolitik sei und auch wenn das Storting etwas anderes beschlossen habe, muss man dies machen können. Aber da muss es einen Unterschied geben wann man es macht.
Also Demokratie ja, aber nur wenn es gerade passt.

Kuhhandel

In Norwegen ist der Hausarzt zunächst für alles zuständig. Im Zweifel überweist er an einen Spezialisten oder holt sich von diesem Rat. Oder, wie in meinem Fall, bemüht online die Suchmaschinen während der Patient daneben sitzt und praktischerweise gleich mitliest. Wird eine Abtreibung gewünscht hat der Hausarzt die Pflicht an ein Krankenhaus zu überweisen. Bis jetzt jedenfalls.
Als im Herbst 2013 die Parteien Høyre und FRP eine Minderheitsregierung bildeten, sicherten sich ihre Mehrheit durch die jeweils 10 Stimmen von Venstre und KRF. Neben kleineren Projekten drückten die beiden kleinen Parteien ihre Hauptanliegen durch. Venstre verhinderte Ölbohrungen vor den Lofoten, musste dafür aber KRFs Reservasjonsrett schlucken. Dies besagt, dass Hausärzte die Möglichkeit haben, eine Überweisung zur Abtreibung zu verweigern. Seit dem Herbst wird dies eifrig diskutiert und obwohl das Gesetz zu dem Thema noch in Arbeit ist, habe erste Ärzte davon Gebrauch (bzw. Missbrauch) gemacht. Ein erster Gesetzentwurf sieht vor, dass die Kommunen darüber entscheiden können, ob den Hausärzten die Möglichkeit zur Verweigerung zur Verfügung steht. Nun haben sich bereits mindestens 240 Bürgermeister gemeldet, die den Ärzten diese Möglichkeit nicht geben wollen. Die KRF verweist ziemlich wütend auf die Regierungsvereinbarung und will also kein Gesetz in denen die Kommunen irgend etwas zu sagen haben. Wenig Ruhe stiftend wirkte da Ernas Aussage, dass sie eigentlich gar keine Lust hat, an der bestehenden Ordnung etwas zu ändern.

Bauernregeln für den 25. Januar

Gestern galt es das Wetter besonders zu beobachten. da es einige Bauernregeln für den 25. Januar (Pålsmesse) gibt. Es gab aber nicht viel zu beobachten, denn wir hatten (angenehmes) oppholdsvær, also „aufgehaltenes Wetter“ bzw. gar kein Wetter. Gestern war es bewölkt, keine Sonne, kein Niederschlag.
Gutes (klares) Wetter hätte gute Jahreszeiten versprochen. Die aus Gjerdrum stammende Bauernregel lautet: En klar pålsok varsler gode årstider. Schlechtes Wetter am 25. Januar kündigt im Gauldal ein schlechtes Jahr an: Snø og styggvær Pål klår, varslet et dårlig år.

Um Unglück zu vermeiden sollte man am 25. Januar auch keine größere Arbeit beginnen, zum Beispiel zum Fischen fahren. Das klingt doch vernünftig.

Schwedischer Apfelauflauf – für Peter

Das braucht man für den Auflauf:

120 g weiche Butter
60 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
2 Eier
100 g gemahlene Mandeln
abgeriebene Schale von 1/2 unbehandelten Zitrone
1/2 TL Zimt
5-6 säuerliche Äpfel (z. B. Boskop)
60 g Rosinen

Und so wird’s gemacht:

1  Mit einem Mixer Butter, Zucker, Vanillezucker und Salz dick und cremig rühren.
2  Die Eier trennen und Eigelb, Mandeln, Zitronenschale und Zimt unter die Masse rühren.
3  Das Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unter die Masse ziehen.
4  Äpfel schälen, entkernen und in Scheiben schneiden.
5  Eine feuerfeste Form großzügig einfetten, die Äpfel hineinschichten und die Rosinen darüber streuen.
6  Die Mandelmasse auf die Äpfel streichen und das Ganze im Ofen 20 Minuten bei 180-200° backen.

Der Apfelauflauf schmeckt sehr gut mit Vanilleeis, Vanillesoße oder einfach mit geschlagener Sahne.

Das Rezept stammt aus dem Buch „Kochen mit Pettersson und Findus“